Stephen Shropshire

My Everlasting

In seinem Buch „Les lieux des mémoires“ („Die Erinnerungsorte“, 1989) befindet der französische Historiker Pierre Nora, dass Geschichte und Erinnerung heute im Gegensatz zueinander stehen. Diese Entkopplung mache die Einrichtung von Erinnerungsstätten notwendig, worin das verbleibende Gefühl von Kontinuität aufbewahrt werden könne. Diese Erinnerungsstätten seien, so Nora, die Überreste der Verkörperung eines kollektiven Bewusstseins; Ruinen, in denen sich die Erinnerung in das Konkrete, das Materielle, das Symbolische und das Funktionelle einpflanzt und sich für den Kampf gegen die Zeit wappnet. 

„My Everlasting“ lebt in jenem Raum zwischen Geschichte und Erinnerung; verkörpert ihn, wandert zwischen seinen Schatten und ringt mit seiner Vergänglichkeit. Das Stück ist als Testament gedacht, als eine Art lieu de mémoire für eine aus zwei Personen bestehende Nation, die im Kampf gegen die immer schneller werdende Belagerung der Geschichte zusammengeschweißt sind - wie eine Erinnerung, die stets in die geschichtliche Vergangenheit rutscht. „My Everlasting“ ist ein Beitrag gegen das Vergessen, ein Versuch, die Vergangenheit von dem unaufhörlichen Kreislauf der raschen Auflösung der Geschichte zu befreien.

Choreographie: Stephen Shropshire
Tanz: Aimee Lagrange, Jussi Noussiainen
Musik: Dakota Suite
Lichtdesign: Otto Eggersgluss
Kostüme: Natasja Lansen

Samstag, 14.11.2015 · 20:00 Uhr
Theaterhaus Jena · Dauer: ca. 45 Minuten